Der Charme der Unvollkommenheit

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“Jede Art von Kunst ist gut, außer der, die langweilig ist” – Voltaire

Gleich zu Beginn: Ich bin kein Künstler und kein ausgebildeter Fotograf. Meine Interesse befindet sich auf der dünnen Linie zwischen Zerstörung und Schöpfung. Die Einen finden es künstlerisch wertvoll, die Anderen nennen es Müll und vergleichen es mit Erbrochenem.

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Was mich beschäftigt ist die Frage “Was passiert wenn…?”. Neben der Möglichkeit den fotografischen Prozess noch genauer zu verstehen bietet es den Schritt zurück zu den Anfängen der Fotografie. Zurück zu dem Punkt, als Experimente noch ein fester Teil der Fotografie waren. Bilder stellten eine Mischung aus Glück, Zufall und Unfall dar. Zudem ist es eine Flucht vor den bis in jedes Detail durchgeplanten Aufnahmen die heute selbst von Amateuren erwartet wird. Gerade die Tatsache, dass ich bei den Versuchen ein großes Stück Kontrolle abgebe und zum Teil lange auf das Ergebnis warten muss macht die entstandenen “Missgeschicke” umso persönlicher.

„Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ – Samuel Beckett

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Ich fotografiere viel, aber nur wenige der meiner Schöpfungen gefallen mir auf Anhieb. Es sind Bilder von Dingen, die schon so oder in ähnlicher Form tausende Male aufgenommen wurden. Erst die weiterführende Arbeit macht für mich aus Müll wieder eine Art von Kunst. Kein Negativ soll im Ordner als “Leiche” enden, jedes einzelne Bild hat es verdient, einzigartig zu werden. Und falls nicht, bringt es mir wieder ein Stück mehr Einblick in die Materie. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt, Motivation kommt aus alten Büchern oder auch einfach dem Regal des Drogeriemarkts um die Ecke.

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Was ist Mordançage? Mit welchem Mittel würden sich Flüssigkeiten auftragen lassen? Wie decke ich bestimmte Bereiche ab? Wie wirkt Bleiche auf die Emulsionsschicht von Farbpapier? Wie sieht aufgetupfte Schuhcreme auf einem komplett belichteten Negativ aus? Kann man mit einer Schreibmaschine ein Negativ beschriften? Ab welcher Hitze verformen sich Negative? Wenn Bleiche A wirkt, was passiert mit Bleiche B, macht die Verdünnung einen Unterschied? Entwickelt Mundwasser auch Papier? Das sind nur einige der Ideen die daraus entstanden sind. Und gerade um die Fotografie jung und frisch zu halten hoffe ich, dass jeder den Entdecker in sich von Zeit zu Zeit herauskommen lässt. Ungeachtet der Reaktionen der “Profis” und “Besserwisser”.

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Lassen wir uns von den inspirieren, die das Chaos gemeistert haben. Personen wie Matthew Brandt mit seinem „Lakes and Reservoirs“ Konzept (www.matthewbrandt.com/works/lakes-and-reservoirs), Andrew K. Thompson mit seinen „New Landscapes“ (www.andrewkthompson.net/new-landscapes), Ajay Malghan und die „Collaborations with Nature“ (www.ajaymalghanphotography.com/work/#/collaborations-with-nature) oder die „unique chemical treatment“ Serie (www.mbart.com/artists/141-mariah-robertson/works) von Mariah Robertson.

Kay Adams

-Wasted Films-
www.wastedfilms.de