Canon F-1n (1976 – 1981)

Ich fing Mitte der 70er an zu fotografieren. Zuerst mit einer billigen Sucherkamera von Agfa, die ich von meiner Mutter erhielt. Dann folgten ähnliche Kameras von diversen Herstellern bis ich mir Ende der 70er eine ziemlich abgewetzte Canon Ft kaufte. Weil ich mit der Kamera gut zurecht kam folgte auf diese wieder eine Canon, eine gebrauchte A-1. Eine Profi F-1, die ja bereits 1971 auf den Markt kam, war damals für mich unerschwinglich. Ich
sammelte aber alle Prospekte und Infos die ich bekommen konnte und drückte mir die Nase an Schaufenstern platt, wenn eine F-1 in der Auslage war.

Mitte der 90iger, ich war nach Militär und Studium bereits im Beruf, ergab sich eine Gelegenheit eine F-1n zu erwerben. Eine ältere Dame verkaufte mir die Kamera ihres verstorbenen Mannes. Die Kamera war damals schon fast 20 Jahre alt und hatte noch keine 100 Filme gesehen. Was für eine Gelegenheit! Natürlich war sie technisch nicht mehr so aktuell, meine A-1 war deutlich moderner und es existierten ja schon die New F-1 und die EOS SLRs. Aber sie war der Kamera Star meiner Jugend. Wer mal eine F-1 bzw. F-1n in der Hand hatte versteht die Faszination. Sie ist auf der einen Seite ein Panzer und auf der anderen Seite ein Präzisionsinstrument. Da sie rein mechanisch funktioniert, tut sie das notfalls auch ohne Batterie. Die F-1 liegt sehr gut in der Hand, alle Bedienelemente sind logisch angeordnet und sie hat einen hellen Sucher. Sie ist die robusteste Kamera die ich kenne, sie funktionierte bei 47°C in Twenty Nine Palms genauso wie bei -35°C im Eislabor, egal ob 100% Luftfeuchtigkeit in den Tropen oder in der staubigen Sahara. Zu guter Letzt überlebte sie auch meinen Ausflug in die digitale Welt und half mir beim Wiedereinstieg ins Analoge.

Meine erste F-1 ist eine «n», die Nachfolgerin bzw. die Weiterentwicklung der Ur F-1 und erschien Ende 1976. Die wichtigsten Änderungen waren die Erweiterung in der maximalen Filmempfindlichkeit von 2000 auf 3200 ISO, ein kürzerer Weg des Spannhebels und eine Haltelasche für den Filmtyp auf der Rückwand. Sie wurde bis zum Erscheinen der New F-1 im Jahre 1981 gebaut. Meine Canon ist sicherlich keine Vitrinen-Queen sondern eine charmante Arbeiterin mit Gebrauchsspuren und Narben. Vor zwei Jahren bekam sie dann ihre erste Totalüberholung spendiert. Neben einer kompletten CLA gab es neuen Dichtungen und Spiegeldämpfer und ich habe gleich noch den Belichtungsmesser auf 1,5V umbauen/justieren lassen. Nun kann ich die Nachfolger Batterie der Queckies die 625U verwenden, die hat eine deutlich grössere Lebensdauer als Hörgerätebatterien in einem Adapter. Inzwischen hat diese F-1 40 Jahre auf dem Buckel und funktioniert noch wie am ersten Tag. Der Titanfolien-Schlitzverschluss sieht aus wie neu, er hat inzwischen um die 20’000 Auslösungen und die mal von Canon garantierten 100’000 werde ich wohl nicht erreichen. Es soll sogar F-1 mit einer halben Million Auflösungen geben, was sicher nur im Profibetrieb mit Motor-Dauerbetrieb möglich ist.

Mit den Jahren sammelte sich auch immer mehr Zubehör bei mir an: diverse Sucher, Einstellscheiben, Blitzschuhe und Motor-Antriebe. Eine weitere wenig benutzt F-1 gesellte sich auch noch dazu. Dank Ebay konnte ich auch seltene Teile auftreiben. Leider sind inzwischen die Preise zum grossen Teil ins Absurde abgedriftet. Ich nutzte, wenn möglich, auch Reisen nach USA und Japan für Teilekauf. Genau dieses Zubehör und die Möglichkeit die Kamera seinen Bedürfnissen anzupassen fasziniert mich. Das beschränkte sich bei mir auch nicht auf Canon sondern gilt für alle professionellen Spiegelreflex-System-Kameras aus dieser Vor-Autofokus-Epoche (Nikon F, F2, F3, Canon F-1, F-1n, New F-1, Minolta XM…). Diese Kameras sind als Systeme anzusehen, d.h. ihre Verwendung beschränkte sich ja nicht auf die typischen fotografischen Anwendungen, diese Kameras wurden auch unter extremen Bedingungen in Wissenschaft und Technik eingesetzt. Deshalb gab es z.B. für die F-1 weit über hundert Zubehörteile und dazu kamen Umbauvarianten und Teile von Drittanbietern für spezielle Anwendungen. Meine ersten Fotos mit einer F-1 machte ich z.B. in einem Forschungslabor montiert auf einem Mikroskop.

Zeitgleich mit der Markteinführung der Ur-F-1 und der Ftb im Jahre 1971 wurde auch der FD Mount eingeführt, erkennbar an dem breiten silbernen Verriegelungsring den sie von den FL-Objektiven übernommen hatten. Beim FD-Mount handelt es sich um die 3. Generation des R-Mounts. Er fügte der 2. Generation, dem FL-Mount einen Blendensimulator und Kontaktstifte hinzu, die TTL-Belichtungsmessung mit offener Blende sowie Blendenautomatik und Programmautomatik (je nach Kameraausstattung) möglich machten. Im Gegensatz zum später eingeführten nFD Mount mit Verriegelungsknopf muss beim FD Mount das Objektiv nicht gedreht werden. Beim Aufsetzen dreht sich bei fast allen Objektiven der Ring von selber «Richtung arretiert» und muss nur noch festgezogen werden. Das funktioniert selbst im Dunkeln sehr gut. Mit dem neuen nFD Mount konnte ich mich nie richtig anfreunden, deshalb habe ich trotz ihres geringeren Gewichts nur wenige Objektive mit dem neueren Mount. Ein weiterer Vorteil des FD Systems ist die kurze Distanz von Objektivauflage zur Filmebene. Dies ermöglicht unter anderem mit original Canon Adaptern viele Objektive von anderen Herstellern zu verwenden, wie z.B. Nikon oder M42. Ich verwende darum auch Nikkore an der F-1.

Ich besass schon viele FD Objektive, es sind auch viele wieder von mir gegangen, wirklich schlechte waren selten darunter. Die «Selektion» von FD Objektiven die ich im Moment noch besitze ist überschaubar aber sicherlich nicht komplett. Die hauptsächlich von mir verwendeten Objektive sind FD 17mm F4, 24-48mm F3.8 (Vivitar S1), FD 50mm F1.4, FD 55mm F1.2, FD 85mm F1.2, 135mm F2.3 (Vivitar S1). Richtig auf der Suche bin ich nicht mehr, wenn ich aber zu annehmbaren Konditionen noch an ein FD 24mm F1.4 oder ein FD 300mm F2.8 Fluorit kommen könnte, würde ich es mir überlegen.

Wer noch mehr über die Canon F-1(n) erfahren will, dem empfehle ich folgende Web-Seiten:
http://olypedia.de/Canon_F-1
http://www.mir.com.my/rb/photography/hardwares/classics/canonf1/index.htm

Das beste Buch zur F-1 bzw. F-1n ist:
Günter Richter «Canon F-1» von 1977, ISBN 3 7763 3341 3

Harald Quintel

F-1n & FD55mm F1.2
F-1n & FD55mm F1.2
Meine F-1n wie ich sie für Aufnahmen bei wenig Licht mitnehme. Deshalb ist sie hier auch mit dem «Illuminator» ausgerüstet, der die Anzeige des Belichtungsmessers beleuchtet.

F1n zerlegt

F1n zerlegt.

Ein Blick ins Innere und auf den FD Mount Kamera- und Objektivseitig.

F-1n Schwermetal

F-1n Schwermetall

Rückansicht der F-1n mit Motordrive MF und den FD 85 F1.2 SSC ASPHERICAL. Diese Kombi bringt mit Batterien und Film rund 3kg auf die Waage!

F1n Zubehör

F1n Zubehör

Dieses Bild zeigt den Grossteil meines speziellen F-1 Zubehörs, welches sich über die Jahre angesammelt hat.

F1n & Vivitar S1 24-48mm F3.8

F1n & Vivitar S1 24-48mm F3.8

«Auch andere Väter haben schöne Töchter» Die F-1n mit meinem Vivitar Serie 1 24-48mm F3.8. Das nehme ich, wenn ich mich nicht entscheiden kann.