Die Miranda Auto Sensorex EE

Späte aber heftige Liebe:

Die Miranda Auto Sensorex EE

Wie es so häufig geschieht, trat sie, die Schöne, die Wandlungsfähige, erst recht spät in mein Leben, in meine Welt ein. Ich habe sie irgendwann einmal gekauft, als „Beifang“ erhalten oder bin auf eine andere, nicht mehr nachvollziehbare Weise in ihren Besitz gelangt. Ich fand sie bei einer Kamerareduzierungsaktion weit hinten in einem meiner Schränke. Klingt wie ein Witz, ist aber so! Habe sie gereinigt, einen APX 100 hineingepackt und diesen mit ihr belichtet. Das war der Anfang einer tiefen Zuneigung. War es anfangs nur eine Zuneigung, so steigerte sich diese sehr schnell in Liebe. Und als ich dann zu meinem Geburtstag auch noch eine zweite geschenkt bekam, war ich im siebenten Himmel. Zwei Geliebte, eine hell und eine dunkel von Haut! Herz, was willst du mehr?

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Leichtgewichte sind sie nicht, nein, das kann man nicht behaupten. Aber welcher Mann mag schon wirklich diese magersüchtigen, leichten und wackeligen Mädels? Besser sind die, bei denen man richtig zupacken muss und kann. Und das ist bei den Mirandas der Fall.

Alles an dieser Kamera ist auf langlebigen Gebrauch ausgerichtet. Die Mechanik: unverwüstlich; die Belichtungsmessung: exakt und schier unkaputtbar, noch dazu von Matrix- auf Spotmessung umschaltbar; der Sucher und die Mattscheibe: hell und das Schnittbild für die Entfernungsmessung gut zu erkennen und vor allem exakt; das Vorlaufwerk: das leiseste was ich je an einer Kamera gehört habe; die gesamte Bedienung: selbsterklärend, nur das Notwendigste ist vorhanden, für Schnickschnack kein Platz; die Objektive (ich besitze 2 Stck. 1,8/50, 1Stck. 2,8/35 und 1 Stck.2,8/135) obwohl kein Manufakturprodukt sondern von Miranda hinzugekauft, wunderbar scharf zeichnend und sehr wertig mit Vollmetallkorpus gebaut.

Setzt man das Objektiv auf die Stellung EE, arbeitet man mit einer Blendenautomatik. Das heißt, ich beeinflusse die Verschlusszeit und die Kamera wählt der Lichtsituation entsprechend die Blende. Das macht sie sehr genau. Jedoch bevorzuge ich es (wie bei allen meinen Kameras), Blende und Zeit selber zu wählen. So erhalte ich die Effekte und Ergebnisse, die ich mir vorgestellt habe. Das Fehlen eines Autofokus macht sich nicht schmerzlich bemerkbar, da ich nicht sehr gern mit AF fotografiere (mittlerweile habe ich nur noch eine AF-Kamera). Der manuell einzustellende Fokus sitzt wesentlich exakter und ich habe keinen Bildausschuss wegen falscher Fokussierung.

Das Praktischste an der Miranda jedoch sind die Wechselaufsätze für den Sucher. Außer dem normalen Prismensucher ist da der Lichtschachtsucher mit ausklappbarer Lupe, sehr gut für unauffällige Straßenfotografie geeignet und der Microsucher, der wahlweise mit 5- oder mit 15-facher Vergrößerung das Abbild auf der Mattscheibe vergrößert. Mit dem also eine Feinsteinstellung möglich ist.

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Auch wenn ich noch andere Kameras im Kleinbildformat besitze, so greife ich, wenn es gezielt auf Fototour geht, meist zielsicher zur Miranda. Und zwar abwechselnd, damit keine auf die Idee käme fremdzugehen, weil sie sich von mir vernachlässigt fühlt!

©Text und Bilder: Ernst Kluger