EOS RT

453crprtDie mit dem festen Spiegel

Zu „Lebzeiten“ ein Traum, heutzutage ein Exot unter den Spiegel-reflexkameras – die Canon EOS RT. Im Gehäuse der EOS 6xx-Reihe
präsentierte Canon im Oktober 1989 die EOS RT. Die Buchstaben RT stehen für Real Time und verheissen eine für Spiegelreflexkameras sagenhaft kurze Auslöseverzögerung von nur 0,008 Sekunden. Erreicht werden diese Traumdaten im wesentlichen durch die Verwendung eines  festeingebauten, teildurchlässigen Pellicle-Spiegels der nicht erst vor der Aufnahme aus dem Strahlengang geklappt werden muss.

In der Praxis gibt das ein ganz neues Fotografiergefühl weil das  Sucherbild der RT durchgehend sichtbar ist. Selbst bei Serien-
aufnahmen, von denen die RT bis zu 5 Stück in der Sekunde  schafft, bleibt das Sucherbild erhalten. Das ergibt so einen ähnlichen Eindruck wie das Fotografieren mit einer Messsucherkamera mit angesetztem Motor.

Canon hatte 1965 bereits mit dem Modell Pellix ein Spiegelreflexgehäuse mit feststehendem, teildurchlässigem Spiegel auf dem Markt gebracht und es folgte einige Zeit nach der RT noch die EOS1RS mit sagenhaften maximalen 10 Bildern pro Sekunde und ebenfalls einem Sucher ohne „blackout“.

Warum sich das Prinzip nicht weiter durchgesetzt hat – darüber lässt sich wie so oft nur spekulieren. Die Herstellung und Wartung eines teildurchlässigen Spiegels ist ungleich aufwändiger als die der herkömmlichen Klappspiegel. Damit sind solche Kameramodelle schon einmal grundsätzlich teurer als der klappernde Wettbewerb.

0452crprtDann „verbraucht“ das Sucherbild permanent ein wenig von dem Licht, das bei der Aufnahme auch auf den Film fallen soll. Im Falle der EOS RT ist das wohl etwas über eine halbe Blendenstufe. Subjektiv merke ich das gar nicht aber messbar ist es wohl. Das Sucherbild meiner EOS RT  unterscheidet sich auch bei intensivem Vergleich in der Helligkeit gar nicht von dem der EOS 650. Es lässt sich mit viel gutem Willen aber eine leichte Warmtönung erkennen.

Olympus hat im Jahre 2000 mit der E-10 übrigens eine digitale Spiegelreflexkamera auf den Markt gebracht, deren Spiegelprinzip ganz ähnlich dem der EOS RT aufgebaut war. Aber auch in der digitalen Welt blieben die teildurchlässigen Spiegel bislang eher Einzelerscheinungen.

In der Praxis funktioniert die RT bis auf das permanente Sucherbild eher unauffällig und entsprechend der EOS600, mit deren Bedienungsanleitung Canon die RT in Deutschland auch auslieferte. Mir persönlich ist nicht klar, warum man in der RT einen weiteren Vorteil eines nichtbeweglichen Spiegels, nämlich eine bemerkenswerte Geräuschreduzierung bei der Aufnahme, nicht konsequenter umgesetzt hat. So löst die RT zwar leise aus, eliminiert diesen Vorteil aber umgehend mit dem krassen Filmtransportgeräusch der 6xx-Serie sodaß diskretes Fotografieren mit der RT genausowenig wie mit anderen Spiegelreflexkameras möglich ist. Schade.

Dennoch habe ich die EOS RT immer wieder gern im fotografischen Einsatz wenn es um schnelle Reaktion und pure Konzentration aufs Bild geht. Blitzaufnahmen (mit 1/125s Synchronzeit) sind da noch einmal eine besondere Erfahrung weil das Motiv im Sucher wie bei einer reinen Sucherkamera blitzbeleuchtet sichtbar ist. Die praktische Seite daran: Reflektionen und rote Augen sowie auch grob die Ausleuchtung der Aufnahmesituation sieht der Fotograf bereits bei der Aufnahme – in Real Time!

0465crprtAuf die technischen Daten der EOS RT gehe ich hier nicht weiter ein. Sie sind bei Bedarf im Internet abrufbar. Auf einen Vorteil, der die gesamte EOS6xx-Reihe und damit auch die EOS RT betrifft, möchte ich jedoch an dieser Stelle noch hinweisen:
Die Sucherscheiben sind in diesem Kameras austauschbar! Und zwar vom Anwender selbst und ohne großen Aufwand. Das notwendige Werkzeug liefert Canon mit und so kann jeder direkt von vorn durch das Objektivbajonett hindurch die Sucherscheibe einsetzen, die er bevorzugt.
In meiner RT befindet sich an dieser Stelle eine Mattscheibe mit Mikroprismen und Schnittbildindikator. Ich verwende nämlich gern und häufig Objektive mit M42-Anschluß an meinen EOS, so auch an der RT. Diese manuell zu fokussierenden Objektive werden über einen M42-EF- Adapter montiert und mit Zeitautomatik und Scharfstellung bei Arbeitsblende benutzt.

Für alle die es nicht wissen: An Canon EOS-Kameras können aufgrund des kurzen Auflagemaßes mit Abstand die meisten Objektive aus anderen Systemen adaptiert werden. Als da zum Beispiel wären: Pentax K-Bajonett, Yashica/Contax (Y/C – hier gibt es hervorragende Zeiss- Objektive auf dem Gebrauchtmarkt), Nikon- sowie diverse Mittelformatlinsen usw.

Copyright Text und Bilder Axel Thomas