Mamiya Revue

Tatsächlich war es beim Großversandhaus Quelle gelungen, neben dem bereits äußerst erfolgreichen Photo-Handelshaus Porst einen weiteren Photo-Spezialversand aufzubauen. Zusammen hatten beide zeitweilig einen Marktanteil von nahezu 50% am gesamten inländischen Amateurmarkt.

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Sowohl die Möglichkeit, individuell und vor allem völlig anonym per Ratenzahlung kaufen zu können als auch die allgemein oft deutlich preisgünstigeren Angebote machten den Einkauf bei Porst und Quelle für viele attraktiv. Immerhin galt bis in die sechziger Jahre auch im Photohandel noch die Preisbindung, die jedoch leicht unterlaufen werden konnte, indem die Apparate einen anderen Handelsnamen erhielten. Mit dem Label „Porst“ oder „Revue“ versehen galt die Preisbindung für die Ware unter ihrer Originalbezeichnung nicht mehr und konnte so mit erheblichen Preisabschlägen verkauft werden.

Dazu kam, daß über den großen Kundenstamm der Versandhäuser ohne nennenswertes Risiko neue Einkaufsmärkte erschlossen werden konnten. Es mag heute vielen kaum vorstellbar sein, aber noch in den sechziger Jahren blickte die Photobranche voller Verachtung auf den vermeintlich billigen Schrott aus Japan. Auch viele Photozeitschriften bedienten mit Blick auf die einheimischen Anzeigenkunden dieses Vorurteil gern. So war es das Versandhaus Foto-Quelle, über das der Markt für japanische Kameras geöffnet wurde. Den Anfang machte die Kleinstbildkamera Minolta 16 (Model P), kurz darauf kamen aufgrund des Verkaufserfolgs weitere Modelle dazu und 1966 dann die Mamiya C 3 und C33, professionelle zweiäugige Reflexkameras für das 6x6cm-Format, die eine echte Wechseloptik haben. Der im Original gefräste Namenszug wurde ganz einfach mit einem schlichten Schild überklebt und so ab März 1966 als „Revue C 3“ und als „Revue C 33“ verkauft.

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Um den Preis von 565 DM bzw. 695 DM richtig einschätzen zu können, braucht man nur in die Einkommensstatistik dieses Jahres zu sehen: das Modell C 33 kostete etwa ein durchschnittliches Monatsgehalt. Um der so gut wie ausschließlich aus Amateurphotographen bestehenden Kundschaft Kameras zu einem solchen Preis plausibel anbieten zu können, führte man bei Foto-Quelle die „Aktion Sondertausch“ ein. Wenn ein Kunde diese Mamiya oder ein anderes hochpreisiges Modell kaufen wollte, gab es neben der üblichen Teilzahlungsmöglichkeit auch beim Versandhaus das Angebot einer Inzahlungnahme, ebenfalls über den Versandweg.

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So sind hierzulande diese Mamiyas eher als „Revue“ zu finden als unter der Originalbezeichnung, in jedem Falle sind die absolut identischen Apparate vor allem als Anwenderkameras lohnende Objekte für eine entsprechende Suche. Durch einen Balgentrieb wird der Gehäuseauszug den jeweiligen Brennweiten angepaßt; natürlich könnte bei Weitwinkel- und Normalbrennweite so auch auf den Nahbereich eingestellt werden, was allerdings wegen der erheblichen Parallaxe nur eine untergeordnete Bedeutung hat. Gewechselt wird die Objektivplatte mit Aufnahme- und Sucherobjektiv einschließlich des Zentralverschlusses, dessen Betätigung außenliegend gekuppelt ist. Die Qualität von Mechanik und Optik ist sehr gut, die Anwendung macht Freude und führt zu überzeugenden Bildresultaten, wie man es von einer Mamiya-Kamera gerade dieser Preisklasse erwarten kann.

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Harald Goergens
www.vintage-photo.de