Motor Nikon MD2

Zu Motoren habe ich ein zwiespältiges Verhältnis.
Sie nehmen zwar die Arbeit ab Filme transportieren und Verschlüsse aufziehen, benötigen aber teils viele Batterien, und machen Kameras schwerer und aufgrund des Platzbedarfs grösser.
In meinen Anfängen fotografierte ich mit einer Kamera, die sich nicht mal optional
motorisieren liess. Bei meiner zweiten Kamera war mir ein Motor
(diesmal AF Kamera und daher eingebauter Motor) hingegen von entscheidender Bedeutung.

Nicht der erwähnten Bequemlichkeit wegen, sondern der schnellen Bildfolge.

Ich wollte endlich mal Daumenkino’s realisieren . . .

Mit der Nikon FM2 die kurz nach der Autofokus SLR bei mir Einzug hielt, kam die Frage nach einem optionalen Motor wieder auf. Gedacht, getan – kam dann ein optionaler MD12 hinzu.
Doch selbst bei Einsätzen an denen ich froh um den Motor – in der F-801s und später F90X war – kam der MD zur FM2 nur sehr selten mit. Und so fristete der MD12 ein klägliches Dasein.

Es war dann die Nikon F2 welches dieses Thema wieder auffrischte.
Zu ihr kaufte ich den MD2/MB1.
Dieser Motor gefällt mir in allen Belangen.

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Dass die jeweilige Bildfrequenz manuell an die Verschlusszeit angepasst werden muss,
empfinde ich keineswegs als Nachteil.
Angesichts der manuellen Bedienung der mechanischen F2 mit Photomic DP3 (mit „RitschRatsch“-Kupplung) passt mir das sehr gut.

Der MD2 macht einen sehr soliden Eindruck. Das Handling der Bedienelemente ist hervorragend. Auch mit Handschuhen lässt er sich bedienen.

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Dass das Batterieteil MB1 10 Batterien „frisst“ ist mir der einzige Nachteil.
Der Preis den man für solche Technik bezahlt.
Und trotz des nicht zu unterschätzenden Gewichts und der Grösse lässt sich die F2 mit MD2/MB1 ganz ergonomisch in der Hand halten. Ein nicht repräsentativer Grössenvergleich in den nächten zwei Bildern. Einmal zusammen mit der Alpa 9d und einmal mit den Non-Ai Nikkoren 50mm F2, & 105mm F2,5.

Der MD2 ist ein ziemlich geräuschvoller, lauter Motor. Phonetisch klingt er aber nicht unangenehm.
Die Geräuschkulisse des MD2 empfiehlt ihn nicht für unauffälliges Fotografieren.
Der Auslösemechanismus der Nikon F2 erweist sich ja bereits problematisch für solche
Aufgaben und der MD2 verunmöglicht es (je nach Situation) dann noch endgültig.

Durch den manuellen Abgleich der Frequenzen ist es ein Motor „zum mitdenken“.
Versprüht die Nikon F2 für sich schon Werkzeugcharakter, steigert der MD2 diesen Eindruck noch zusätzlich.
Meist fotografiere ich mit der F2 unmotorisiert, doch wenn ein Motor zum Einsatz
kommen soll, dann liegt meine Wahl bei der F2 mit MD2.
Beim motorisierten Betrieb ist mir die Wahl der Bildfrequenz sehr wichtig.
Der vermeintliche Nachteil, diese Einstellung manuell vornehmen zu müssen, wird mir hier zum Vorteil.
Denn Serienbilder möchte ich nicht lediglich mit der jeweils maximalen Frequenz fotografieren. Meist reichen 1-3 B/s völlig. Dafür ist’s mir wichtiger eine Serie von Anfang bis Ende eines bestimmten Zeitfensters fotografieren zu können – und irgendwann kommt ja schliesslich Bild Nr 36 . . .
Der Vorteil einstellbarer Frequenz kommt besonders auch beim manuellen blitzen bei Serienbild zu Gute.

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Mit vergleichbaren Kombinationen (zB Nikon FE/FM-Reihe – MD11/12 oder F3 – MD4) kann die Frequenz nicht oder nur per teurem Zubehör bewerkstelligt werden. Daher fristet mein MD4 für die F3 ein noch kläglicheres Dasein als einst der MD12.

Ein Daumenkino wie ich welche vor über 20 Jahren mal anfertigte, habe ich mit dem MD2 noch
nicht realisiert. In Vergegenwärtigung an den MD2 an der wunderbaren F2, wünschte ich mir,
ich hätte wieder mal mehr Gründe, einen Motor einsetzen zu müssen . . .

Aus späterer Sicht der schnellen Autofokus Spiegelreflexkameras mit ihren eingebauten Motoren, mag ein schneller Motor an einer Kamera wie der Nikon F2 geradezu unnötig anmuten. Denn zu widersprüchlich eine derartige Serienbildgeschwindigkeit in Kombination umständlicher manueller Bedienung, dazu noch in Anbetracht des Volumens und Gewichts.
Aber genau das kann auch den Reiz ausmachen.

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Der MD1/2 ist so etwas wie die Antithese des vielzitierten Begriffs „entschleunigtes fotografieren durch (mechanische) analoge Kameras“. Das zeigt sich ja nicht nur in der maximalen Bildfrequenz von 4,3 B/s, sondern auch der Möglichkeit den Film motorisch in die Patrone zurück spulen lassen.
Wohl trug er sein Wesentliches bei, Nikon’s Stellenwert in der Presse- und Reportagefotografie untermauern.

Text und Bilder: Ph. Koblet